Villa Carlshagen – hier wohnte Nina Hagens Urgroßvater

Die Villa Carlshagen in Potsdam. Foto: Stefan Specht
Die Villa Carlshagen in Potsdam. Foto: Stefan Specht
Nach mehr als 20 Jahren war die Villa Carlshagen in Potsdam im September 2016 erstmals wieder öffentlich zugänglich. Bis 1990 befand sich dort eine radiologische Kinderklinik. Dann stand das Gebäude leer. Die IHK Potsdam als aktueller Eigentümer hat die Bauhülle jetzt saniert und sucht einen Käufer für den repräsentativen Bau und das dazugehörige 10.000 Quadratmeter große Grundstück am Templiner See.
Die Villa wurde um 1900 im Stil des Neoklassizismus errichtet. Aber nicht die Architektur ist bemerkenswert, die Familiengeschichte der Bewohner ist es: Bauherr war Bankier Carl Hagen. Mit dem jüdischen Familiennamen Levi geboren, führte Carl Hagen nach seiner Hochzeit den Namen seiner Ehefrau. Er war national gesinnt und nahm als Offizier am Ersten Weltkrieg teil. 1938 starb er.
Seine Söhne waren Louis Georg Hagen – ebenfalls Bankier – mit Wohnsitz in der Bertinistraße und Herrmann Hagen, der 1942 im KZ Sachsenhausen umgebracht wurde.
Der Sohn von Herrmann Hagen, Hans-Oliva Hagen, kämpfte im Untergrund gegen die Nazis, er wurde ins Gefängnis gesteckt, aber überlebte. Er zog nach Ost-Berlin, schrieb Sachliteratur und Drehbücher, arbeitete an den Defa-Filmen „Gewissen in Aufruhr“ (1951) und „Karbid und Sauerampfer“ (1953) mit, war aber auch in der DDR ein unangepasster Geist.

Aus der Ehe mit Eva-Maria Hagen ging 1955 die Tochter Nina Hagen hervor. 1977 reiste Eva-Maria Hagen wegen der Repressionen nach Ausweisung ihres zeitweiligen Lebensgefährten, des Liedermachers Wolf Biermann, zusammen mit Tochter Nina 1977 in die BRD aus. Nina Hagen setzte dort ihre Karriere als Rocksängerin fort.

Für das Haus ihres Urgroßvaters gibt es mit Stand September 2016 mehrere Interessenten.

2 Gedanken zu „Villa Carlshagen – hier wohnte Nina Hagens Urgroßvater“

    1. In dieser Villa sollte ab 1939 das Potsdamer Stadtmuseum als „Haus der Ahnen, Haus der Kunst“ neu eröffnen (für das wegen der Vergrößerung der Stadtverwaltung durch Bildung Groß-Potsdams im enteigneten Freimaurer-Logenhaus nun kein Platz mehr war). Aufs Grundstück der Villa Carlshagen zogen alle Sammlungs- und Kunstgegenstände des Museums, und blieb bis Kriegsende, was nicht ausgelagert werden konnte: Hier fraßen nach russischer Besetzung 1945 erst Kühe dann Pferde aus Barockschränken, schliefen Soldaten auf Kupferstichen und unter Fahnen. Was den Durchzug der Soldaten überstand, findet sich heute in der Sammlung des Potsdam-Museums.

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